Sonderpreis des VITW anlässlich des Landeswettbewerbs "Jugend forscht" am 07.04.2001 in Dresden verliehen
Der VITW in Sachsen e.V. arbeitet seit 1997 aktiv in der Jury des Landeswettbewerbs "Jugend forscht" mit. Wir sehen hier eine Möglichkeit, die reichen Erfahrungen unserer Mitglieder auf technischem und naturwissenschaftlichem Gebiet und beim Erfindungs- und Patentwesen einzubringen. Deshalb wurde auf der Mitgliederversammlung am 12.10.1996 der Beschluss gefasst, jährlich anlässlich des Landeswettbewerbs den Sonderpreis des VITW zu vergeben.
Erstmalig wurde dieser Preis am 15.März 1997 zum 7. Landeswettbewerb an Falk Hoffmann und Reik Müller vom Heisenberg-Gymnasium in Riesa für ihr Exponat
"Der Kontaktstreifen - ein vielfältig einsetzbares Schalterelement"
verliehen. Anlässlich des diesjährigen Landeswettbewerbs konnte Kristof Seidl vom Gymnasium Dresden-Blasewitz "Martin Andersen Nexö" für sein Exponat Aufbau und experimentelle Untersuchung des Präzisionsantriebs für die hochauflösende
Panoramameßkamera "EYESCAN - M2 metric"
durch Herrn Prof. Hennig mit dem Sonderpreis des VITW ausgezeichnet werden.
Die Arbeit vereint alle wesentlichen Kriterien, deren Erfüllung an die Vergabe des Sonderpreises gebunden sind. Die eingereichte Arbeit entstand im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts der Klasse 11. Hervorzuheben sind folgende Kriterien:
Vergabe und Betreuung des Themas durch ein KMU
Orientierung am fortgeschrittensten Stand der Technik
Überführung in die Serienproduktion
Internationale Anerkennung durch Präsentation auf Fachtagungen.
Das Thema ist dem Gebiet der digitalen Fotografie zuzuordnen, die sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Dies betrifft selbstverständlich auch die Panoramafotografie, bei der ebenfalls der Übergang von der Analog- zur Digitaltechnik erfolgt. Die Verfügbarkeit von CCD - Einheiten erschließt auch hier völlig neue Möglichkeiten. Große Pixelanzahlen und hohe Auflösung können dabei den traditionellen Film auf vielen Gebieten ersetzen.
Partnerbetrieb war die Kamera & System Technik GmbH, die das Projekt durch Herrn Schönherr betreut hat. Zielstellung war es, einen spielfreien Präzisionsantrieb für die von der Firma produzierte Panoramameßkamera "EYESCAN - M2 metric" mit höchster Schrittauflösung aufzubauen und auf seine Laufgenauigkeit experimentell zu untersuchen. Weiterhin sollte eine Optimierung des Zusammenspiels zwischen des feinmechanischen Elementen des Antriebs und der Kameraelektronik vorgenommen werden. Erst dadurch ist es möglich, den hohen Anforderungen der Photogrammetrie gerecht zu werden.
Im Einzelnen wurden folgende Aufgaben bearbeitet:
Auswahl der Baugruppen und schrittweiser Aufbau des Antriebsmoduls
Experimentelle Ermittlung der Betriebsparameter, wie Gesamtuntersetzungsverhältnis, Lastabhängigkeit, Abweichung zwischen Ist- und Solldrehzahl sowie Anfahr- und Abbremswege
Entwicklung einer Fahrprogrammsoftware zur Optimierung des Bewegungsprofils und Einbindung in die Gesamtsoftware der Kamera
Erstellung einer Datei zur schnellen und unkomplizierten Einstellung neuer Motoren.
Das Ergebnis der Arbeit wurde bereits auf der "photokina 2000" in Köln präsentiert und fand dort breite Anerkennung.
Bezeichnend für die diesjährige Preisverleihung - und dies traf auch bereits auf die Verleihung des Sonderpreises anlässlich des 7. Landeswettbewerbs 1997 zu - ist, dass sowohl der VITW als auch das Sächsische Ministerium für Wirtschaft und Arbeit sich auf dasselbe Exponat mit der Verleihung des Sonderpreises orientiert haben. Dies ist - kritisch bemerkt - ein Ausdruck des relativ geringen Angebots an praxisorientierten experimentellen Arbeiten zum Landeswettbewerb "Jugend forscht". Arbeiten mit experimentell - technischen Charakter, die in unmittelbarer Zusammenarbeit mit der Industrie durchgeführt wurden sind selten. Ofenbar klafft hier eine Lücke. Die Kontaktmöglichkeiten für unsere Schüler mit dem gewerblichen Bereich ist - sicher auch aufgrund der gegebenen wirtschaftlichen Situation in Sachsen - nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Damit fehlen oft aus eigenem Erleben heraus Anregungen zu innovativen Leistungen auf technischem Gebiet. Im Interesse unserer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und der persönlichen Entwicklung der Schüler müssen Schule und Wirtschaft näher zusammenrücken.
Der VITW sieht hier ein breites Betätigungsfeld für Erfinderklubs. Sie können im jeweiligen Territorium regelrecht Mittler zwischen den ansässigen Betrieben und den Bildungseinrichtungen sein und so zu einer Bereicherung der Erfahrungswelt der Schüler insbesondere auf technischem und betriebswirtschaftlichem Gebiet beitragen. Hier ist daran gedacht, bereits die Schüler unterer Schuljahre nach dem Vorbild der "Klubs kleiner Findiger" unserer tschechischen Nachbarn an technische Probleme heranzuführen und sie dann über die Schuljahre hinweg zu begleiten. Diese Arbeitsweise wird bereits vom Erfinderklub des VITW in Freital praktiziert. Der gute Kontakt des Erfinderklubs sowohl zu Schulen als auch zum Gewerbeverein in Freital hat sich dabei bereits bestens bewährt. Weitere positive Ansätze in dieser Richtung werden mit dem Projekt "Formel E" gemacht.
